20.06.07
Hauptstadtkongress „ Medizin und Gesundheit“
Die Zukunft: Gesundheit bei ALDI? fragt die Freie Ärzteschaft
Der Hauptstadtkongress hat sich in den letzten 10 Jahren zu einem bedeutenden Ereignis der Gesundheitswirtschaft entwickelt.
Auf dem Hauptstadtkongress wird die Neuordnung des Gesundheitswesens in erster Linie von Gesundheitsökonomen und Geschäftemachern diskutiert.

Wo bleiben die Betroffenen - Patienten und Ärzte - bei diesem Szenario?
Jahrzehnte wurden wir für unser deutsches Gesundheitswesen von der ganzen Welt beneidet.
Jetzt wird das Gesundheitssystem von Bürokraten und Theoretikern zerstört!
Wenn aus der Klinik ein Supermarkt wird…
In Berlin kommen die Ideen und Konzepte der Verantwortlichen für eine Industrialisierung der Medizin ans Licht. Auszüge aus dem aktuellen Kongressinterview mit Dr. Markus Müschenich, dem medizinischen Vorstand des Vereins zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser in Berlin, geben Aufschluss:
„...Gefragt sind Visionen, die Unternehmen helfen, aus dem beschaulichen Gesundheitswesen heraus in den Markt für Gesundheit einzutreten. Und da geht es dann nicht mehr um ein bisschen Evolution, sondern eher um die Killerapplikation, soll heißen: was kommen wird, wird die Gegenwart verblassen und vergessen lassen...“
„ConceptHealth hat die verschiedenen Szenarien [...]entwickelt[...] Auf der Basis einer Lebensgesundheitsakte wird der Patient - vergleichbar mit dem Vorgehen beim Internetbanking und der Computerfernwartung- interaktiv in der Selbstdiagnose und Therapie begleitet. Chronisch Kranke sind permanent online bzw. onhealth [...] Es ist zu erwarten, dass in der Zukunft der Einfluss von Microsoft, T-Systems und SAP auf den Alltag im deutschen Gesundheitssystem weit größer sein wird, als beispielsweise der der AOK...“
Sie fragen, ob der Patient in Zukunft noch von einem Arzt behandelt werden soll?
„Viele Aufgaben, die zum Beispiel in den Krankenhäusern bisher Ärzte wahrgenommen haben, werden mehr und mehr an Nicht-Ärzte übertragen [...] Der nächste Schritt ist der „Generic Doc“, ein Nicht-Mediziner, der viele Tätigkeiten genauso gut wie der Original-Arzt, aber deutlich kostengünstiger ausführen wird.“
DocAldi?
Wie hat man sich die umfassende Integration von Gesundheitsdienstleistungen in den Alltag des Verbrauchers vorzustellen? “…jeden zweiten Tag Gesundheit und Wellness einkaufen gehen bei „ MedEdeka“ und DocAldi um die Ecke?“
Antwort Dr. Müschenich: “... So wird der Einkauf im Supermarkt zum Echtzeit-Erlebnis in Sachen Prävention, wenn im Einkaufswagen nur Dinge landen, die individuell auf die Gesundheitsverträglichkeit geprüft sind. Mittels RFID Technik ist es durchaus vorstellbar, dass die Produktinformationen einzelner Lebensmittel mit den aktuellen Laborparametern des Käufers, die online aus der Lebensmittelakte zur Verfügung gestellt werden, abgeglichen werden […]“
Die Orwellsche Schreckensvision droht Wirklichkeit zu werden!
Das „ Neue Denken“ der Gesundheitstechnokraten präsentiert eine „Schöne Neue Welt“
mit permanenter Überwachung, Fremdbestimmung und Manipulation. Nicht schön für die Kranken, zu deren Nachteil die Kassen im Wettbewerb das Geld für Doc - Holiday - Fitnessreisen an Gesunde verteilen. Nicht schön für die Ärzte der Basis, welche vor Ort die Kranken medizinisch versorgen.
Frau Doris Pfeiffer vom VDAK ist nicht davon überzeugt, dass dieser Kassenwettbewerb unserem Gesundheitswesen gut tun wird. Sie weiß, dass die angebliche Pleite der kranken Kassen nicht durch eine Kostenexplosion, sondern u. a. durch den Verschiebebahnhof des Staates zu Lasten der Kassenfinanzen ausgelöst wird. Die ursprünglich zweckgebundene Tabaksteuererhöhung 2003 wird dem Gesundheitswesen wieder entzogen, die MwSt-Erhöhung für Medikamente (siehe Kongressinterview mit Doris Pfeiffer) belastet die Krankenkassen zugunsten des Staates.
Wir erleben nur vordergründig eine Entwicklung zur Staatsmedizin, in Wirklichkeit sorgt die gegenwärtige Gesundheitspolitik kräftig für die Kommerzialisierung und Industriealisie- rung unseres Gesundheitswesens. Profitinteressen der Klinikkonzerne Sana, Asklepios, Helios, Fresenius und Rhön werden bedient, wie auch die von IT-Industrie, und anderen Profiteuren.
In dieser Planung kommen die Patienten nur noch als gelenkte Konsum-Marionetten und die Ärzte nur noch als „generic docs“ vor. Halbautomatische Versorgungsprozesse und anonyme Checklisten, von Gesundheitssachbearbeitern exekutiert, werden humane Medizin ersetzen.
Die elektronische Gesundheitskarte ist der Schlüssel für diese Entwicklung
- in Wahrheit ist es eine elektronische Fußfessel.
Aber: die Rechnung wird ohne den Wirt gemacht!
Der Deutsche Ärztetag hat der elektronischen Gesundheitskarte eine klare Absage erteilt. Die Tatsache, dass noch einige Funktionsträger und Naive in der Ärzteschaft an der Einführung des Projektes festhalten, ändert daran nichts.
Ein wirklich neues Denken, eine Abkehr vom augenblicklichen megalomanen Weg in die industrialisierte Medizin werden die Ärzte der Basis gemeinsam mit ihren Patienten und freien, aufgeklärten Bürgern erreichen. Ärzte der Basis setzen sich dafür ein, dass Artikel 1, Abs.1 unserer Verfassung auch in der Medizin Bestand behält: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“
Die Menschen in Deutschland haben ein Recht auf eine gute, individuelle Gesundheitsversorgung!
Gesundheit ist keine Ware, die zu Kommerzzwecken verkommen darf!
Für den Erhalt der wohnortnahen haus- und fachärztlichen Versorgung!
Patienten sind keine Kunden und Ärzte keine Erfüllungsgehilfen!

Stoppt den Parteienstaat! Stoppt Ignoranz und Machtarroganz!
Hört auf, das vermeintlich geringere Übel zu wählen!
Es gibt kleine freiheitlich-demokratische Parteien, die wirkliche Demokratie wollen!

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